Mittwoch, 20. August 2008

Casino Venlo - Tripreport

Gestern war es soweit, zwei Kollegen und ich machten uns per Auto auf um im Casino Venlo, entgegen aller Dämonisierungskampagnen, Poker zu spielen. Konsequenter Pokerkonsum hat mich ohnehin schon seit einiger Zeit an die Royal Flush Nadel gebracht und ich meine auch gute Fortschritte bei meinen geneigten Kollegen zu erzielen.

Um 18:00 war Treffpunkt in der Bude des Kollegen Nr. 1, die ganz nebenbei wirklich einmal wieder aufgeräumt werden sollte. Bis Kollege Nr. 2 uns seine Aufwartung machte, stibitzte ich mir ein Bier aus dem Kühlschrank des Kollegen Nr. 1 und gerade als dieses geleert war, klingelte auch der letzte Teil unserer illustren Fischrunde. Es konnte also losgehen.

Erster Stop, 200 Meter weiter an der Tanke, wo ich mich mit zwei Heineken Pils für die Fahrt eindeckte um mich schonmal an die holländische Plörre gewöhnen zu können.

Zweiter Stop um 19:10 auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Casinos, genauer gesagt bei Burger King. Eine Stärkung in Form großflächig angelegter Elektrolyte war angesagt. Zu meinem Leidwesen wurde dort kein Bier ausgeschenkt. Die Anfang 20 jährige Verkäuferin murmelte irgendwas auf holländisch von wegen zu nah an der Autobahn. Naja egal.

19:25, wir parken vor dem Casino und registrieren das sich hier ziemlich viele deutsche tummeln müssen den Autokennzeichen nach zu urteilen. Wir rauchen uns auf dem roten Teppich vor dem Casino jeder instant drei Zigaretten, da drin ist ja Rauchverbot und gehen dann rein.

19:30, wir zahlen fünf Euro Eintritt und lassen unseren Perso checken. Die Cashgames fangen erst um 20:00 an, wir haben also noch etwas Zeit. Kollege Nr. 1 und Kollege Nr. 2 beschließen sich jeweils für 10 Euro Chips für die Spielautomaten zu holen. Mir ist das zu -EV und ich begebe mich lieber an die Bar und zische mir zwei Bier.

Dort fällt mir auch direkt ein Kerl neben mir auf, Anfang 30, der mit Pokerchips spielt und dabei seinen Kaffee trinkt. Leider falle ich ihm auch auf und er spricht mich an, fragt was ich hier mache, ob ich Poker spielen möchte, welche Limits genau, bla bla. Ich versuche wie ein totaler Fisch rüberzukommen. Eine Schande das man schon an der Bar bei einem ruhigen Bier auf die Imagepflege achten muss.

20:00, meine Kollegen kommen ohne Chips zur Bar nachdem sie alles freudestrahlend verzockt haben und wir gehen zusammen in den Pokerroom um uns anzumelden. Angeboten wird heute Abend ein $100 Freezeout Turnier mit 2 Rebuys, zu teuer, sowie NL 2/2 mit einem mind. Buy In von 100 Euro. Perfekt. Meine Kollegen jammern allerdings das sie nur 75, bzw. respektive 45 Euro noch dabei hätten. Na toll. Ich helfe ihnen also jeder bis zu den angeforderten 100 Euro aus und kann mich selbst dann ebenso nur noch mit 100 einkaufen. Arghs.

Wir setzen uns an einen bereits gut gefüllten Tisch wo nur noch drei Plätze frei sind. Eigentlich ist es auch bis dato der einzige Tisch überhaupt mit Spielern. Ich versuche noch zu intervenieren etwas zu warten und uns an den leeren Tisch bei der viel süßeren Dealerin nebenan zu setzen, aber Kollege Nr. 1 und Nr. 2 sitzen bereits und kaufen sich ein. Ok, ich also auch.

Neun Spieler sind an diesem Tisch versammelt. Ich ziehe meine Reads an dieser Stelle bereits vor damit wir die Protagonisten des folgenden Gemetzels schon kennen lernen.

Der Kerl von der Bar sitzt direkt links neben mir, was mir gar nicht gefällt, mit ca. 150BB. Er ist ein recht tight agressiv Spieler, zumindest versteht er sein Handwerk.

Daneben sitzt Kollege Nr. 2 dem ich vorher noch versucht habe einzubläuen unter gar keinen Umständen so wie in den Homegames zu spielen und ihm fürs erste eine feste Handrange mitgegeben habe mit dem Tipp diese auch agressiv zu spielen. Er spielt in den nächsten Stunden Tight Passive.

Dann kommen drei Studenten Mitte 20, die das erste Mal in dem Casino sind. Sie scheinen für mich Online Spieler zu sein, zumindest spielen sie auch relativ nachvollziehbar und reden wann und dann über Pott Odds. Ein Fremdwort für alle anderen am Tisch.

Den dreien folgt eine Anfang 40 jährige Dame die überhaupt keinen Plan hatte von dem was sie da eigentlich tut, aber mit ihrem Geld gerne um sich schmiss. Für mich war sie potentiell spielsüchtig, denn sie versuchte ausversehen mit Chips aus dem Casino Achen einen Kaffee zu bezahlen. Sie kommt also wohl weit herum dafür das sie keinen Plan hat. Sie war die typische Callingstation.

Daneben sitzt ebenso eine loose passive Callingstation. Ein Typ, auch so Mitte 20, der gerne und viel erzählt und zu jedem sagt "nice Hand". Das besondere war seine Gesichtsmimik. Nach 30min wusste ich genau wann er nur mit middle und bottom Pair spielt, wann er die Nuts oder ein Set hält und wann er Hände wie Top Pair hat.

Dann kommt ein braun gebrannter Albaner im feinen Anzug, Anfang 50 schätze ich. Ein typischer LAG der wohl schon einige Jahre Casinoerfahung hat und seine Mitspieler gerne unter Druck setzt und auch das Geld dazu leicht aufbringen kann. Glücklicherweise wusste er oftmals nicht wann er geschlagen ist.

Als letztes Kollege Nr. 1 dem ich auch schon Online Poker etwas nahegebracht habe und der ganz solides TAG Poker spielt.

Das Spiel fängt an. Erste Hand, ich sitze im SB, zwei Limper vor mir, ich folde. Momentmal, ja richtig der SB ist doch genauso groß wie der BB. Die anderen scheinen sich das selbe zu denken. Autsch. Egal, Fischimagepflege ist alles, wenn auch unfreiwillig. Die nächsten 30min passiert gar nichts, ich habe alle Zeit und Ruhe der Welt um meine Konrahenten zu analysieren und bestelle mir kurz nacheinander drei Bier. Danach falle ich durch 3 kleinere Pötte von 50BB auf 38BB, kann mich in der Zeit danach aber wieder bei 45-48 einpendeln. Keine erwähnenswerten Hände zumindest. Blindsteeling und Bluffen sind zumindest nicht ratsam, es wird viel zuviel gecalled, bzw. schon vorher geraised.

Dann kommt meine erste gute Hand. KhKd. Ich sitze im CO, vor mir limpt die Dame und der Albaner raised auf 3BB. Ich 3bette auf 9BB, die Dame foldet, der Kerl called. Flop Jh Ts 6d. Er checked, ich bette 13BB, er überlegt und pushed. Ok, so war das nicht geplant. Was kann er haben? Seine Range ist sowas von dermaßen groß, dass ich ihm hier so ziemlich alles leider zutraue. Allerdings bluffed er gerne und AI moves mit TPTK waren auch keine Seltenheit an dem Tisch und bei ihm. Ich entscheide mich nach langem überlegen für einen Call und drehe meine Karten um. Der Albaner verzieht keine Mimik, Respekt und wartet ab um die Karten zu zeigen. Turn 4h. Der schnieke Albaner grinst nun hämisch und dreht seine T6o zum Two Pair um. Alter, was ein sicker pf call! Ich bin kurz davor dem Typen an die Gurgel zu springen und seinen Kopf auf den Tisch zu schlagen um diese Unverfrorenheit aus ihm raus zu prügeln. Dann kommt der River - Ks, YES! Der Albaner zuckt mit den Schultern, gratuliert mir und kauft sich mit 200 Euro neu ein, nicht ohne uns sein großes Gelbündel von 100ern und 50ern zu präsentieren.

Kurz danach busted einer der Studenten unglücklich per bad beat, ratet mal gegen wen. Der Student sieht aus als könne er sich nicht entscheiden nun zu heulen oder vor Wut schreien zu sollen. Er findet einen Kompromiss und verlässt fluchtartig den Tisch. Armer Kerl. Der Albaner lästert etwas und labert irgendwas davon das man beim Poker entweder verliert oder gewinnt. So wie er spielt verliert er vermutlich allerdings mehr.

Dann die Hand des Abends. Kollege Nr. 1 ist im BB, sechs Limper, Flop kommen drei Spades, alle checken. Turn noch ein Spade. Mein Kollege bettet 3/4 Pot Sitze, ich bin mir sicher er hält nen ganz guten Flush. Alle folden, außer die spielsüchtige Dame. Sie called. River, mein Kollege schätzt die Situation vollkommen korrekt ein und pushed, die Frau überlegt etwas und called. Er deckt das Ace of Spades auf mit irgendeinem unbedeutenden Kicker und die Dame zeigt die 2 of spades. Ihr kennt den Ivey-Tilly Blick oder? Ungefähr so hat jeder am Tisch sie angestaart. Mein Kollege in des schnappt seine Zigaretten und geht in die Raucherkabine aus der man kurz danach einen Freudenschrei hört.

Folgend bekomme ich 2-3 Mal AK und AQ, bette preflop immer recht aggressiv und das gleiche am Flop, so dass ich da den Pot meißt mit nehme. Scheinbar habe ich jetzt doch ein tightes Image.

Dann bekomme ich AK of clubs. Drei Limper, ich raise 6BB, der Albaner called. am Flop kommt 67 in Kreuz und neun Herz. Ich conti bette 1/2 Pot Size, der Albaner pushed. Hatten wir das nicht schonmal? Ok, ich habe den Nut Flush Draw und zwei Overcards. Ich gebe ihm für einen Push nun etwas mehr Credit nach meiner letzten fast katastrophalen Erfahrung. Zumal meine Pott Odds hinten und vorne nicht reichen bei seinem Push. Ich folde also und er zeigt mir nen OESD. Hm, naja ok gut zu wissen.

Danach bin ich eigentlich nur noch Card Dead und steige nach drei Stunden gespielter Zeit aus. Kollege Nr. 2 busted währenddessen noch, auch weil er noch einen 12BB Pott gegen mich verliert. Shit happens.

Am Ende bin ich recht zufrieden und denke mich ganz gut geschlagen zu haben für meine erste Casino Erfahrung. Erstaunlich fand ich es vorallem wie schlecht die Leute spielen, da hätte man auf NL2 tightere Gegner gehabt. Mit den richtigen Karten und Spots kann man sicherlich einiges mehr abräumen an so einem Tisch.

Cliffnotes:
- erste Casino Erfahrung
- Cashgame 2/2 Euro Blinds
- 50BB Profit
- man kann betrunken Poker spielen

Kommentare:

krebsnebelwesen hat gesagt…

Hey, schöner Report!
GW zum Gewinn!

*PROST*

stratege hat gesagt…

nice tr.
Live pokern und Bier trinken verträgt sich in der Tat ganz gut.
Scottie Nguyen hat's ja schon mehrfach zelebriert. Und bei mir klappt's auchg ganz gut

Google Analytics

Google Translation